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Vom Prinz, der niemals König werden wollte

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Strassen Gazette Ausgabe 158 / Oktober – November 2015

Vom Prinz, der niemals König werden wollte

Buddhismus: Die Weltreligion zwischen Tradition und Moderne, östlicher und westlicher Kultur. Einblicke geben zwei aus Vietnam stammende und in Deutschland und Dänemark amtierende Buddhistische Äbte

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Informierten ausführlich: die beiden aus Vietnam stammenden buddhistischen Äbte Thích Pháp Trú (rechts), er amtiert in Dänemark, und Thich Nhu Dien, Gründer des Klosters Vien Giac bei Hannover. Alle Fotos: Gabriele Lermann

Seit Jahren verdrängen Buddha-Figuren die Garten- zwerge aus den Vorgärten, zieren Bücherregale, den Kaminsims oder sonstiges in Haus und Hof. Reihenweise stehen die Bildnisse des großes Lehrmeisters in allen Varianten und Größen in Baumärkten, Gartencentern, Wohn und Dekogeschäften. Ein Mode-Trend, der unter bekennenden Buddhisten nicht nur Freunde hat. Immerhin werden Marienstatuen oder Kruzifixe auch nicht als Billig-Massenware zum Trend bestimmt.

Die wenigsten Buddha-Modetrendsetter wissen aber wirklich, wer war Buddha und warum leben weltweit rund 450 Millionen Menschen seine Lehre, machen den Buddhismus nach Christentum, Islam und Hinduismus zur viertgrößten Weltreligion?

Einblicke in den Buddhismus geben bei einem deutschlandweiten Treffen vietnamesischer Buddhisten Abt Thich Nhu Dien, seit 40 Jahren in Deutschland und Erbauer und Gründer des buddhistischen Zentrums wie Klosters Vien Giac bei Hannover, sowie Abt Thích Pháp Trú, er leitet ein buddhistisches Zentrum in Dänemark.

Obwohl ursprünglich aus Indien kommend, ist dort der Anteil an Buddhisten heute sehr gering, am verbreitesten ist der Buddhismus in Ländern Süd-Ost und Ostasiens. Aber auch in Europa und den USA, bestätigten beide Äbte, wächst die Zahl der Buddhisten. Ähnlich wie im Christentum und Islam haben sich verschiedene Glaubensrichtungen unter einer Kernlehre entwickelt.

„Wir haben in einem Container angefangen“, erinnert sich Abt Thích Như Điển an die Anfänge des vietnamesisch-buddhistischen Klosters 1977 in Hannover-Mittelfeld, genau neben dem Messgelände. Nach und nach ist daraus das Kloster und Zentrum entstanden, bei der Expo 2000 fanden sogar Ausstellungsveranstaltungen in dem Kloster statt. Hieraus haben sich rund 20 Vietnamesisch-Buddhistische Vereine in ganz Deutschland entwickelt, aber, vergleichbar zu den deutschen, nur wenige, rund 15, Vietnamesich-Buddhistische Zentren. Es gibt rund 700 große wie kleine deutsche buddhistische Zentren in Deutschland (am Sonntag, 20. September, nahmen etwa 100 davon an einem bundesweiten Tag der offenen Tür statt).

In Deutschland leben rund 140.000 Vietnamesen, etwas 100.000 sind davon Buddhisten.Vietnamesen sind für Fleiß und Bildungshunger bekannt, erklärte der Abt, mit 35 Prozent stellten die Schüler mit Migration aus Vietnam den größten Anteils aller unterschiedlichen Gruppen mit Migrationshintergrund, die Abitur und Studium absolvieren. Probleme bei der Jugend sah der Abt eher in den mangelnden Gelegenheiten, die Muttersprache zu pflegen, in jüngerer Zeit machen die Zentren entsprechende Angebote.

In Deutschland habe der Buddhismus bereits früh, insbesondere in intellektuellen Kreisen, Einzug gehalten. Abt Thích Như Điển erinnerte an den berühmten Philosophen Arthur Schopenhauer (1788 bis 1860), dem viele in die buddhistischen Lehren gefolgt seien. Auch Anfangs des 20. Jahrhunderts nahm Hermann Hesse in seinem Buch „Siddhartha. Eine indische Dichtung“ Anteile bud- dhistischer Lehren auf.

Wo Rose und Lotos gemeinsam blühen

Der Katholizismus hat, wie auch in Vietnam, bei den in Europa lebenden Vietnamesen starke Einflüsse, erklärte der Abt. Vergleicht man den Katholizismus mit einer Rose, verdeutlichte er, und den Buddhismus mit einer Lotosblüte, und nimmt die bunten Blumen verschiedener anderer Einflüsse noch dazu, so leben heute viele einen bunten Blumenstrauß. Insbesondere Deutsche und Westeuropäer leben vermehrt buddhistische Lehren, oft den Zen-Buddhismus, und bleiben dennoch ihrer Konfession treu. Auch Atheisten, machte ein Besucher und bekennender deutscher Buddhist an seiner eigenen Erfahrung fest, finden im Buddhismus Antworten und Lebensrichtungen.

Der Buddhismus ist nicht, wie die anderen Weltreligionen, eine monotheistische Religion die einen Gott über alles stellt. Buddhisten erkennen Gott beziehungsweise Göttlichkeit in allem, was lebt. Deshalb ist auch absolute Gewaltfreiheit ein Grundprinzip der Buddhisten, sehr verbreitet auch vegetarische Ernährung, die sich ebenso in Deutschland, ob Buddhist oder nicht, immer mehr durchsetzt.

Gewaltfrei, achtsam und gütig

Buddha, was soviel wie Erleuchteter oder Erwachter bedeutet, erklärte Abt Thich Nhu Dien, war der indischer Prinz (etwa 500 vor Christus, verschiedene Angaben) Siddhartha Gautama, der sich seinem vater verweigerte, König zu werden. Das Wohlbefinden des Volkes erkannte Siddhartha in der geistigen Reifung, nicht in der Regenschaft. Er entwikkelte die Lehre des Buddhismus, die, überzeugt von der Wiedergeburt des Menschen, auf dessen spiritueller Reifung setzt bis eine leid und lehrreiche Reinkarnation nicht mehr nötig ist. Der Geist hat das Unfassbare, die Überwindung von Denkmustern, Emotion und Trennung, erreicht und die tiefe Erkenntnis, die Erleuchtung, erfahren. Mit mehr als Herz und Verstand, worin sich das Geheimnis des Nirwana verbirgt. Im irdischen Leben bedeutet dies neben der Geistesschule Achtung vor allem Leben seinen Ausrichtungen sowie bedingungslose Gewaltfrei-heit. Die Lehrschriften des Buddhas sind in Sanskrit entstanden, wurden später auch in das Chinesische übersetzt und dann erst in andere ostasiatische Sprachen. „Der Buddhist denkt und kommuniziert, so das Ziel, in Verbindung von Herz und Verstand, nicht verstärkt rational, wie heute in der westlichen Welt verbreitet“, so Abt Thich Nhu Dien. „Die Technologie bietet heute Kommunikationsmöglichkeiten ohne Ende, aber wirklich von Herz zu Herz wird kaum noch kommuniziert.“

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Dieser Buddhistische Altar zierte die Versammlung der vietnamesischen Buddhisten am letzten Septemberwochenende. In der Lützelbacher Turnhalle wurde meditiert, Vorträge ge- halten, in den Nebenräumen das Essen angeboten und in der Halle selbst auch geschlafen.

Die vier edlen Wahrheiten des Buddhismus

Den buddhistischen Glauben erklärte der in Dänemark amtierende vietnamesische Abt Thích Pháp Trú. Er baut auf die sogenannten vier edlen Wahrheiten auf:

Die Erste: Das Leid. In der physischen Welt – kurz gefasst – ist der Mensch körperlichen wie seelischen Leid ausgesetzt, ob Krankheit, Tod, Trauer, Enttäuschung und anderem.

Die Zweite: Das Erkennen des Leides. Der Verursacher von Leid ist das Begehren von Leben, Gesundheit, Erfolg, Reichtum, Beziehungserwartungen. Kurz, der Verhaftung an Zielen, die selbst gestellt oder von außen erwartet werden.

Die Dritte: Die Leidursachen löschen. Wer erkannt hat, das Erwartungen und Ziele Leid verursachen, wird vom Leid erlöst, wenn er dieses los lässt. Sionnliche Verlangen wie geistige Verhaftungen werden aufgelöst, um das große Ziel des Buddhismus, das „ Nirvana“, die vollige Freiheit von Sorgen, Vorstel- lungen und Zielen.

Die Vierte: Schritte, die ins Nirvana führen, nachdem die Erkenntnis der ersten drei Schritte verinnerlicht wurden. Diese vierte edle Wahrheit teilt sich in acht Schritte, „edler achtfacher Pfad“, auf. Diese Pfad teilt sich in drei Hauptbereiche auf: 1. Die Weisheitsschulung (Das Weltbild und Anschauung aller Erfahrungen und die eigene Absicht richten sich auf die Erkenntnisse der vier edlen Weisheiten aus). 2. Ethische Absichten (bewusste Entscheidungen treffen, Achtsamkeit, Mitgefühl). Sittliche Schulung (3. Das eigene Sein ist das Ergebnis des eigenen Denkens. 4. Handeln in Achtsamkeit und Verständnis, so dass niemand Schaden zugefügt wird). 5. Rechter Lebenserwerb, im besten Fall Arbeit mit positiven Einfgluss auf einen selbst und andere. Meditationsschule (6. Bemühen um Motivation wie spirituelles Leben im Alltag. 7. Erhobene Achtsamkeit, indem das eigene Denken beobachtet wird. 8. Die Meditation selbst, tiefe Klarheit außerhalb von Alltag und Gedankenmustern).

„Wir Buddhisten missionieren nicht, predigen auch keine Moral oder Ethik, wir suchen die tiefe Erkenntnis in uns selbst und achten alles Leben.“

Gabriele Lermann

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